1867 Mägdeherberge

Am 5. März 1867 wurde eine Vollwaise, Auguste Steinert, aufgenommen, um in der häuslichen Arbeit unterwiesen zu werden. Zu diesem Erstling kamen im Lauf des ersten Vierteljahrs noch 8 andere, hauptsächlich Fabrikmädchen, die hier ein Heim fanden. Am 1. April 1869 wurde die am Töpferberg 9 gelegene Mägdeherberge, die schon dort von bethanischen Schwestern verwaltet worden war, nach der Bautzener Straße verlegt. Von den Zinsen des Stiftungskapitals der Frau Eleonore von Sprenger (6000 Taler) wurden Freistellen für Herbergerinnen gegründet. Die Mägdeherberge diente vor allem solchen jungen Mädchen, die von auswärts nach Görlitz kamen, um dort einen Dienst zu suchen. Die Schwestern nahmen sich ihrer fürsorglich und beratend an, verschafften ihnen Dienststellen und blieben auch nach Möglichkeit mit den Vermieteten in dauernder Verbindung. Die Zahl der Herbergerinnen stieg von jährlich 30 bis auf etwa 200, nahm aber von Mitte der neunziger Jahre an wieder ab. (1891: 196, 1896: 69, 1900: 77, 1910: 41, 1915: 13.)

Im Dezember 1911 wandte sich der Vorstand des M a r t h a h e i m s, Konsulstraße 25, an Bethanien mit der Bitte um Überlassung einer Schwester. Das Heim, in dem eine Mägdeherberge und ein Damenhospiz miteinander verbunden sind, hatte nicht die gehoffte Entwicklung genommen. Das lag vor allem daran, daß es nicht gelungen war, eine Hausmutter zu finden, die wirtschaftliche Tüchtigkeit und Umsicht mit der Gabe vereinigte, den Insassen des Heims eine mütterliche Freundin und Beraterin zu sein, und doch war das Letztere gerade die eigentliche Bestimmung des Heims. Es sollten die hier Einkehrenden nicht nur äußerlich gut aufgenommen sein, sie sollten sich vor allem umgeben wissen von dem Schutz und Segen eines christlichen Hauses. Bethanien stellte die erbetene Schwester zur Verfügung.