1869 Kinderheim in Reichenbach

Da kaufte der Oberlausitzer Rettungsverein für 1500 Taler im benachbarten
R e i c h e n b a c h ein Grundstück mit zwei Häusern, und am 3. Mai 1869 siedelten 2 Schwestern mit 13 Mädchen in das neue Kinderheim ,,Bethanien“ nach Reichenbach über. Die Zahl der Pfleglinge hob sich bald auf 30. Im Jahre 1891 wurde das alte Grundstück verkauft, da die beiden Häuser auf die Dauer den Anforderungen nicht genügten, und es wurde unweit des Bahnhofs ein geeignetes Grundstück erworben und ein zweckentsprechender Neubau darauf errichtet. Schon am 26. September konnte das neue Haus geweiht werden. Von einem schönen Obstgarten umgeben, bietet es Raum für 40 Kinder und ist immer voll besetzt.

Die Kinder besuchen die nahe Waisenhausschule. Die Anstalt hat sich durch ihre freundliche Lage, durch ihre stille Abgeschlossenheit, und nicht zum mindesten durch die Möglichkeit, die Kinder im Garten zu beschäftigen, als besonders geeignet für den Zweck erwiesen, dem sie dient. Hier leben die Kinder in gesunder Luft, äußerlich und innerlich, hier finden sie Heimat und Mutter, hier ist im Lauf der Jahrzehnte in manches junge Herz gute Saat gesät worden, die dann Frucht trug im späteren Leben. Blieben auch Enttäuschungen nicht aus, so ist doch an der großen Mehrzahl der Kinder die Stille, treue Arbeit der Schwestern nicht vergeblich gewesen.

In Reichenbach übernahm übrigens Bethanien im Jahre 1894 auch den schon bestehenden Kindergarten und am 1. November 1912 die ebenfalls schon bestehende Gemeindepflege. Gemeindeschwester und Kindergärtnerin haben in dem Reichenbacher Gemeindehaus ein sehr freundliches Heim gefunden.