1883 Jungfrauenverein

Und nun zum J u n g f r a u e n v e r e i n ! In dem Luthergedenkjahr 1883 gab ein Vortrag ,,Luther und die deutsche Jugend´´ in Görlitz den Anstoß zur Gründung des ersten Jungfrauenvereins. Eine Anzahl Damen, getrieben von dem Wunsch, in Luthers Sinn der Jugend zu dienen, luden junge Mädchen für die Sonntagnachmittagsstunden in das frühere Garderobenzimmer des Evangelischen Vereinshauses (Wichernhaus), bewirteten sie mit Kaffee und Gebäck, unterhielten sie durch Spiel und Lektüre und suchten ihnen auch persönlich nahe zu kommen.

Saal des Jungfrauenvereins Quelle: Stiftung Diakonie Görlitz

Da die Damen aber vielfach verhindert waren, diesen Verein regelmäßig zu halten, das Versammlungszimmer auch an manchen Sonntagen nicht zur Verfügung stand, zerstreuten sich die jungen Mädchen nach und nach. Auf bitten einer Dame (der Tochter des verstorbenen Superintendenten Schuricht) nahm der Superintendent Schultze sich der Sache tatkräftig an. Er gewann geeignete Mitarbeiterinnen und organisierte den Verein, der nach und nach zu hoher Blüte kam. Da der Versammlungsraum nicht mehr ausreichte, zog der Verein im Jahre 1887 in das Diakonissenhaus. Von da ab übernahmen auch Schwestern die Leitung. Der Jungfrauenverein gewann immer größere Ausdehnung. Vor einigen Jahren entstand in der Altstadt ein Zweigverein. Er tagt im Hause der Stadtmission und steht ebenfalls unter der Leitung unserer Schwestern. Gemeinsame Feste, Veranstaltungen, wie Servier und andere Kurse führen beide Vereine im Diakonissenhaus zusammen. Die Gesamtmitgliederzahl beträgt 150 bis 160. Allsonntäglich um 5 Uhr versammelt sich die fröhliche Schar. Die erste Stunde dient zwanglosem Beisammensein und bietet den Schwestern Gelegenheit, den einzelnen persönlich nahe zu kommen. Um 6 Uhr hält einer der Geistlichen eine kurze Andacht. Nach dem Abendessen von 7 Uhr ab vereint man sich zu fröhlichem Spiel, auch werden Vorträge gehalten und mehrstimmige Gesänge eingeübt. Der Sommerausflug, das Weihnachtsfest und das Jahresfest im Januar bilden die Höhepunkte des Vereinslebens. Die Mitglieder bestehen meist aus solchen Mädchen, die sich in der Stadt als Verkäuferinnen, Dienstmädchen usw. in Stellung befinden, aber auch Haustöchter sind vertreten. Am 2. Weihnachtsfeiertag des Jahres 1896 wurde das Kreuz gestiftet, das seitdem jede Jungfrau als Zeichen zweijähriger treuer Zugehörigkeit zum Verein erhält. Am Stiftungstage konnten 38 Kreuze ausgeteilt werden.