1917 Mitglieder des Vorstandes

Ständige Mitglieder desselben sind: 1. der jedesmalige Vorsitzende des Gemeindekirchenrats, der zugleich den Vorsitz im Vorstand übernimmt; 2. der jedesmalige Landeshauptmann der Oberlausitz. Im übrigen ergänzt sich der Vorstand durch Zuwahl, und zwar in der Weise, daß stets außer den ständigen Mitgliedern noch 4 Mitglieder des Gemeindekirchenrates zu ihm gehören. Die Zahl der Vorstandsmitglieder kann bis auf 15 erhöht werden. Dem Vorstand liegt die Fürsorge für alle, besonders die finanziellen Interessen der Anstalt ob. Seiner Beschlußfassung unterliegen alle Verwaltungsangelegenheiten, namentlich auch die Berufung der Diakonissen. Durch dieses Statut, das noch heute in Kraft ist, wird also die von jeher bestehende enge Verbindung des Gemeindekirchenrats mit der Anstalt gewahrt. Die Mitglieder des Vorstandes sind derzeitig folgende:

Landeshauptmann von Eichel,
Pastor Dr. Festner,
Geh. Justizrat Hirschbach,
Justizrat Jaeckel,
Bürgermeister Maß,
Frau Geheimrat Meißner,
Sanitätsrat Dr. Rondke,
Frl. Kar. Sattig,
Pastor prim. Schmidt, Vorsitzender,
Frau von Wiedebach-Nostitz, geb. Freiin von Mausbach,
Kaufmann Carl Wolf, Schatzmeister

Mit Rücksicht darauf, daß das Statut vom Jahre 1873 nicht mehr in allen Punkten den gegenwärtigen Verhältnissen entspricht, ist vom Vorstand im Jahre 1916 eine neue Fassung beschlossen und der Königlichen Regierung zur Genehmigung vorgelegt worden.

Gewann von Anfang an die Diakonissensache in Görlitz dadurch Boden, daß weite Kreise in selbstlosem Zusammenwirken sie bereitwilligst förderten, so kam es ihr vor allen Dingen zustatten, daß sie in einzelnen P e r s ö n l i c h k e i t e n Freunde und Förderer gewann, die mit innerem Verständnis und wahrer Herzensteilnahme für die Tätigkeit der Schwestern erfüllt, in persönlicher Hingabe sich ihrer und ihrer Arbeit annahmen, allen voran Frau Kommerzienrat Müller, die Begründerin des Vereins für weibliche Diakonie und damit auch des Diakonissenwerkes in Görlitz. 20 Jahre lang, bis zu ihrem Tode, widmete sie sich diesem Werke, eine von den christlichen Frauen, von denen der zweite Jahresbericht sagt: „Sie werden nicht müde in der Liebe, nicht matt im Glauben und schauen in freudiger Hoffnung das, was ihnen, in Wirklichkeit zu sehen, vielleicht nicht vergönnt ist.“ Auch ihr 10 Jahre vor ihr heimgegangener Gatte gehörte dem Vorstande an. „Seine Pflichttreue und fein Eifer für die Aufgaben der Anstalt, sein warmes Herz für alle Armen und Notleidenden sichern ihm ein ehrendes und bleibendes Andenken.“
(11. Jahresbericht.)

Von weiteren Mitgliedern des Vorstandes, deren Namen in der Geschichte der Görlitzer Diakonie unvergessen bleiben werden, sind besonders zu nennen: der Superintendent Schultze, der Oberpräsident von Seydewitz und seine Gemahlin, der Landeshauptmann von Seydewitz, die Superintendenten Schönwälder und Kirchhofer und der Landeshauptmann v. Wiedebach-Nostitz.

Oberpräsident von Seydewitz

Quellenangabe:
Das Bild wurde uns freundlicherweise von der Stadtverwaltung Görlitz
Städtische Sammlungen für Geschichte und Kultur
Oberlausitzer Bibliothek der Wissenschaften zur Verfügung gestellt.

Was jeder von ihnen in seiner Art für unsere Sache bedeutet hat, davon geben die Blätter der von Schwesterhand geschriebenen Chronik ein warmes Zeugnis. Gedacht sei an dieser Stelle auch der drei Geistlichen der Stadt, die zugleich Mitglieder des Vorstandes waren, und alle in dem einen Jahr 1880 heimgerufen wurden, des Superintendenten Schuricht und der Pastoren Hergesell und Kosmehl. Auch den Ärzten, die im Lauf der Jahre der Kranken des Hauses in Treue sich annahmen, gebührt ein dankbares Gedenken:
Dr. Schindler sen. 1867 - 1871,
Dr. Joachim 1871 - 1891,
Dr. Schindler junior 1891 - 1899.

Dr. Joachim mit Frau und Sohn

Quellenangabe:
Das Bild wurde uns freundlicherweise von der Stadtverwaltung Görlitz
Städtische Sammlungen für Geschichte und Kultur
Oberlausitzer Bibliothek der Wissenschaften zur Verfügung gestellt.

Wenn wir nun auf die Entwicklung der Arbeit im einzelnen eingehen, so wird es am besten so geschehen, daß wir uns die einzelnen A r b e i t s- z w e i g e vor Augen stellen.
Der Grundstock des Ganzen, die Wurzel des Baumes, ist die G e m e i n d e p f l e g e im
e n g e r e n Sinn, der Dienst an der Armen und Kranken der Gemeinde, wie jene beiden bethanischen Schwestern ihn am 10. Januar 1867 übernahmen.
Nur kurze Zeit bewohnten sie ihr erstes Heim in der Krischelstraße. Sehr bald reichten dort die Räume nicht mehr aus, denn zu den beiden Schwestern kam schon nach drei Wochen eine dritte. Der Magistrat stellte das Haus Sommerstraße 25 zur Verfügung. Aber auch hier wohnten die Schwestern nur bis zum April 1868, denn inzwischen war am 1. April 1867 die vierte, am 1. August desselben Jahres die fünfte und im April 1868 die sechste Schwester eingestellt worden. Auf Vorstellung des Gemeindekirchenrats gewährte nun der Magistrat das Haus Bautzener Straße 30 auf unbestimmte Zeit und unter Vorbehalt des Widerrufs mietsfrei. Die auf dem Grundstück vorhandenen Nebengebäude wurden zu einem Saal für die Strickschule umgebaut. Am 25. April 1868 zogen die Schwestern ein, aber schon nach zwei Jahren genügten auch diese Räume nicht mehr.

Auf neues Bitten überließ der Magistrat noch das Nebenhaus Nr. 29, das 1870 als Militärlazarett gedient hatte. Diese beiden Häuser sind dann für länger als ein Jahrzehnt Heimat der Schwestern und ihrer Arbeit gewesen.





Bautzener Str. 29

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