Gemeindepflege in Görlitz

In der eigentlichen Gemeindepflege standen von den 6 Schwestern zunächst 2. Die andern waren im Hause und in der Kinderarbeit, von der später die Rede sein wird, beschäftigt. Später wuchs die Zahl der Gemeindeschwestern auf 3. Die Schwestern pflegten im ersten Berichtsjahr 348 Kranke, im fünften Berichtsjahr 304, im zehnten 386, im neunzehnten 431, im dreißigsten 569. Im vierzigsten Jahr wurden von den Gemeindeschwestern 501 arme Familien versorgt, 718 Kranke in den Häusern gepflegt und 392 Nachtwachen geleistet. Im fünfzigsten Berichtsjahr stieg die Zahl der verpflegten Kranken auf 1748, Nachtwachen wurden 966 geleistet, darunter 750 von hierzu angestellten Frauen. Dazu kommen noch 1063 durch Frauen geleistete Tagespflegen.

Von besonderer Bedeutung für die Ausgestaltung der Gemeindepflege wurde das Jahr 1883. Damals wurde die bis dahin einheitliche Kirchengemeinde in drei Pfarrbezirke geteilt und dementsprechend jeder der drei Gemeindeschwestern ein Bezirk zugewiesen. In jedem Bezirk wurde eine Meldestube eingerichtet, im Frauenkirchenbezirk Bautzener Straße 30, im Dreifaltigkeitskirchenbezirk Fischmarkt 11 und im Peterskirchenbezirk Breslauer Straße 38. Es wurden regelmäßig Besprechungen der Schwestern mit den Geistlichen und den kirchlichen Armenkommissionen ihrer Bezirke vorgesehen. Diese Einrichtung hat sich als sehr förderlich für die Arbeit der Gemeindeschwestern erwiesen, hatte doch nun jede ihre selbständige Verantwortung und erfüllte mit um so größerer Freudigkeit ihrer Aufgabe.

Im Jahre 1894 wurde für den erweiterten Frauenkirchenbezirk (jetzt Lutherkirchenbezirk) eine vierte Gemeindeschwester angestellt und zehn Jahre später für den inzwischen abgezweigten V. Bezirk eine fünfte.

Anfang 1913 ersuchte der Gemeindekirchenrat das Mutterhaus um eine zweite Schwester für den Dreifaltigkeitskirchenbezirk und im April 1914 um eine zweite Schwester für den Peterskirchenbezirk. Beide wurden zugesagt, so daß jetzt etatsmäßig 7 Gemeindeschwestern in der Arbeit stehen (augenblicklich des Krieges wegen nur 5).Zu den Gemeindeschwestern überwies Bethanien im Jahre 1895 noch eine Pflegeschwester. Schon 13 Jahre vorher hatte der Vorstand der Görlitzer Diakonissenanstalt an das Mutterhaus die dringende Bitte gerichtet, eine Schwester ausschließlich für die Pflege schwer erkrankter Gemeindeglieder abzugeben. Denn die Zeit und Kraft der Gemeindeschwestern reichte schon damals nicht aus, um Dauerpflegen bei einzelnen Kranken zu übernehmen. So mußte eine Pflege durch Diakonissen nicht grade selten in solchen Fällen abgewiesen werden, wo sie am notwendigsten war. Das tat der allgemeinen Wertschätzung der Schwesternarbeit nicht unwesentlichen Abbruch. Die Verhandlungen über die Entsendung einer Pflegeschwester haben sich dann leider sehr in die Länge gezogen. Besonders die Frage, ob diese ausschließlich für die Krankenpflege bestimmte Schwester neben den armen auch den wohlhabenden Familien dienen sollte, ist Gegenstand lebhafter Erörterungen zwischen dem Vorstand und dem Mutterhaus gewesen. Schließlich kam es zu einer Verständigung. Das Mutterhaus gestand zu, daß die Schwestern, wenn Sie auch in erster Linie berufen seien, den Armen zu dienen, doch auch bei Bemittelten Pflegen übernehmen dürften. So kam im Jahre 1895 die erste Pflegeschwester nach Görlitz. Im Lauf der nächsten Jahre wurde die Zahl der Pflegeschwestern auf 3 und am 2. April 1913 auf 4 erhöht, und es hat sich diese Ergänzung der Gemeindepflege durch eine mit ihr Hand in Hand arbeitende Pflegestation, wie anderwärts, so auch in Görlitz auf das beste bewährt.

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