Kinderbewahranstalt in Görlitz

Während in der Tochteranstalt zu Reichenbach nur Mädchen Aufnahme fanden, diente die mit dem Diakonissenhaus in Görlitz verbundene Kinderbewahranstalt Mädchen und Knaben zugleich. Es wurde jedoch das Aufnahmealter für die Knaben im Jahre 1884 auf das zehnte Lebensjahr herabgesetzt, da der Erziehung der älteren, zumal wenn sie sittlich bereits gefährdet waren, die Schwestern sich nicht gewachsen fühlten. Denn diese Knaben von 11 bis 14 Jahren brauchen notwendig die Zucht einer männlichen Hand; auch reichten die zur Verfügung stehenden Wohnräume zu gleichzeitiger Unterbringung älterer Knaben und Mädchen auf die Dauer nicht aus. Inzwischen sind allerdings für die Kinderbewahranstalt schöne und weite Räume geschaffen worden, so daß die Zahl der Plätze auf 70 erhöht werden konnte. Bei jenem Grundsatz aber, ältere Knaben nicht aufzunehmen bzw. zu behalten, ist es geblieben.

Die Mädchen verbleiben in der Anstalt im allgemeinen bis zu ihrer Konfirmation. Soweit sie nach ihrer Entlassung nicht zu ihren Eltern zurückkehren, sorgt die Anstalt für geeignete Unterbringung. Nicht selten hat die Schwester, die dieser Kinderbewahranstalt vorsteht, neben den Mühen und Sorgen, die die Erziehung und Verpflegung so vieler Kinder mit sich bringt, auch mit allerlei Krankheitsnöten in der ihr anvertrauten Schar zu tun, und doch ist und bleibt es ein fröhliches Werk, das sie treibt. Und wenn´s auch keine leichte Aufgabe ist, jahraus, jahrein 70 Kindern eine Mutter zu sein, so wird doch das Herz dabei nicht alt.
Wie für die Arbeit an den Kindern, so wurde im allerersten Jahr auch schon für die spätere H a u s h a l t u n g s c h u l e und für die M ä g d e h e r b e r g e der Grund gelegt.

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