Vorwort

Der nachfolgende Text ist der Festschrift
"Fünfzig Jahre Diakonissenarbeit in Görlitz" verfasst von Johannes Thiel,
Pfarrer des Zentral-Diakonissenhauses Bethanien-Berlin 1917 entnommen.
Der Text wurde mit Zwischenüberschriften gegliedert und nach Möglichkeit illustriert.
Diverse Passagen wurden gekürzt.

Tilo v.Ameln und Johannes Johne

Lazaret

In Görlitz pflegten vom 15. Juli bis 29. September 1866 nach und nach 5 Schwestern (der Dresdner Diakonissenanstalt) anfangs in den Lazaretten 4a und 4b. Hier lagen außer verwundeten auch kranke (Cholera) Soldaten. Am 29. Juli übernahmen die Schwestern das preußische Feldlazarett, das dort in einem großen Privathause und in 12 Zelten eingerichtet war, und pflegten täglich zuweilen mehr den 150 Verwundete. (1)


Lazarett


(1)
Jubiläumsbericht der ev.-luth. Diakonissenanstalt zu Dresden erstatt von Pastor Dr. G. Molwitz Rektor der Diakonissenanstalt Dresden Selbstverlag der Diakonissenanstalt 1894 Deutsch-österreichische. Krieg 1866 1 S. 211-212 Nr. 8

Zentral - Diakonissenhaus Bethanien zu Berlin

Warum die bereit 1864 aufgenommene Arbeit in der Gemeindepflege und im Siechenhaus um 1867 eingestellt wurde, ist unbekannt. Die Dresdner Diakonissen wurden durch die Bethanischen Schwestern kurzfristig ersetzt. Die unterschiedlichen protestantischen Bekenntnisse in Sachsen und Preußen haben sicherlich eine Rolle dabei gespielt.




Zentral - Diakonissenhaus Bethanien zu Berlin



10. Januar 1867
„Der Herr hat uns wieder eine neue Arbeitsstätte zugewiesen, und ihr seid berufen, als die ersten dorthin zu gehen und die Arbeit zu beginnen. Der Herr, welcher bisher euch gnädig gleitet hat, wird auch dort euer Licht und eure Stärke sein. - Euer Arbeitsfeld ist die Stadtgemeinde Görlitz, euer Vorstand der dortige Frauenverein für weibliche Diakonie. Eure Aufgabe ist, die Armen- und Krankenpflege zu üben und der weiblichen Jugend euch anzunehmen. Es wird euch ein Haus gegeben werden, in welchem ihr wohnt, und von wo aus ihr eure Arbeit tut, und das selbst dieser Arbeit dient. Eure Aufgabe ist groß, aber des Herrn Gnade ist auch groß, und seine Kraft ist in den Schwachen mächtig!“
Mit diesem Geleitswort übergab das Zentral-Diakonissenhaus Bethanien zu Berlin zweien seiner Schwestern, Anna Krause und Karoline Gennermann, Anfang Januar des Jahres 1867 die Arbeit in Görlitz.

Schon am 2. Mai des vorhergegangenen Jahres hatte sich der Gemeindekirchenrat der Stadt mit einem Antrag auf Überlassung von Schwestern zur Gemeindepflege nach Bethanien gewandt, war aber mit Rücksicht auf die drohenden Kriegsunruhen zunächst abschlägig beschieden worden. Was aber so zuerst der Sache hinderlich erschien, sollte durch Gottes Leitung ihr bald genug förderlich werden. Die Schwestern Bethaniens wurden nämlich durch ihre Kriegsarbeit auch nach Görlitz geführt, wo sie im Offizierslazarett und im Zentralhospital mehrere Monate tätig waren.

Die Dresdner und Bethanischen Schwestern pflegten gemeinsam in den Lazaretten der Stadt Görlitz. (Anmerkung der Redaktion)
Hierdurch wurden sie einigen Damen der Stadt bekannt und lieb. So kam es, daß der bereits bestehende Verein für weibliche Diakonie durch Frau Kommerzienrat Elise Müller, geb. Förtsch, am 18. Oktober 1866 den Antrag nach Bethanien richtete, seine Schwestern zur Übernahme der Gemeindepflege in Görlitz zu belassen.
„Jetzt ist der Augenblick, in dem allen die aufopfernde Liebestätigkeit Ihrer Schwestern noch lebendig vor Augen steht, besonders günstig, für deren Arbeit offene Herzen zu finden.“ (Brief der Elise Müller an Pastor Schulz, Bethanien.)

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