Damals...

Mit der Gründungssitzung des "Vereins zur Förderung der weiblichen Diakonie" am 21.09.1899 wurden die jahrelangen Bemühungen Pastor Paul Richters belohnt. Dieser Verein wurde 1901 in "Oberlausitzer Synodaldiakonie" umbenannt und bildete fortan eine gute Ergänzung zur schlesischen Mutterhausdiakonie. Diese verlor nicht an Bedeutung und besonders als Ausbildungsstätte für die jungen Schwestern waren die Mutterhäuser unentbehrlich.
Im Frühjahr 1900 meldeten sich die ersten beiden Schwestern in Biesnitz. Sie wurden zur Ausbildung in das Mutterhaus nach Berlin entsandt.

 

Ein altes Bauernhaus an der Promenade 3 in Groß- Biesnitz wurde vom Vereinsvorstand im Jahre 1901 gepachtet. Es war für die Schwestern das erste eigene Mutterhaus und es diente nicht nur als Wohnsitz, auch ein Zimmer für die Kleinkinderschule wurde darin eingerichtet.

 

Als erste Oberin wurde Johanna Schulte berufen. 35 Jahre lang hat sie in diesem Amt gewirkt und es verstanden, aus den Anfängen heraus mit bescheidensten Mitteln eine feste, geordnete Diakonissenschaft heranzubilden. Mit ihr wurde der Synodaldiakonie eine Persönlichkeit geschenkt, die dem Werk seine Prägung gab. Im Oktober 1936 trat sie in den Ruhestand.

 

Mit der Arbeit der Synodaldiakonie in der Oberlausitz waren von Beginn an zwei Aufgabengebiete verbunden, dies waren die Betreuung von Kindern und die Pflege von alten Menschen Diese Arbeit war zu jeder Zeit mit viel Freude verbunden, aber immer auch von Problemen überschattet.

 

Als mit Beginn dieses Jahrhunderts die Diakonie ihre Arbeit in Biesnitz aufnahm, waren viele rechtliche Belange zu klären. Die Einrichtung musste finanziell abgesichert werden um die Zukunft der Schwestern zu gewährleisten. Aus diesem Grunde war eine sehr enge, wenn auch oftmals schwierige Zusammenarbeit mit den Ständen notwendig. Die Stände - sie existierten bis 1939 - das waren unter anderem der Adel, Guts- oder Rittergutsbesitzer. Zu ihren Pflichten gehörte es, einen erheblichen finanziellen Betrag zur Unterhaltung der Kirche und ihrer Einrichtungen zu leisten.
Natürlich ergaben sich für sie daraus auch Rechte, zum Beispiel das Mitspracherecht bei Satzungsentwürfen, bei der Ansetzung von Gottesdiensten und der Sitzordnung in der Kirche. Die Stände besaßen eine eigene "Loge".

 

Der Vereinsvorstand dagegen entschied in Fragen der Schwesternangelegenheiten, zum Beispiel in Bezug auf Tracht und Beköstigung, Arbeit, Ausbildung und Entsendung dieser. Auch die Berufung eines Hausgeistlichen lag in der Verantwortung des Vorstandes.

 

Die Leitung des Vereins und der rasch wachsenden Schwesternschaft lag anfangs in den Händen des damaligen Pfarrers der Kunnerwitzer Kirchgemeinde, Pastor Schmorgo. Er war ein glühender Verfechter der Ideen Pastor Richters und setzte sie mit Eifer und Einfallsreichtum in seiner Gemeinde in die Tat um.
Im Jahre 1904 wurde er jedoch als Superintendent in einen anderen Kirchenkreis berufen.

 

Sein Nachfolger im Amt wurde Pastor August Friedrich Karl Demke. Er war der 2. Vorsteher der Oberlausitzer Synodaldiakonie. Unter seiner Leitung wurde später, im Jahre 1910 das Mutterhaus "Salem" gebaut.

 

Vorerst jedoch wurde die schöne Villa in Klein-Biesnitz am Pfaffendorfer Weg 2 als neues Schwesternheim genutzt. Die Schwesternschaft war inzwischen gewachsen, außer der Oberin Johanna Schulte gehörten ihr 16 weitere Schwestern an. Das alte Bauernhaus an der Promenade 3 bot nicht mehr genug Raum für so viele Menschen.
Der Neubau eines Heimes wurde zwar in Erwägung gezogen, scheiterte aber vorerst am Fehlen eines Baugrundstückes und auch ein notwendiger Baufond war nicht vorhanden.


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