Die Oberlausitzer Synodaldiakonie in den Jahren 1949 - 1989 (1)

Die sowjetische Besatzungszone begann schon frühzeitig mit dem Aufbau eigener Staatsorgane und der Veränderung der Gesellschaftsstruktur. Als Ergebnis wurde am 7. Oktober 1949 die Deutsche Demokratische Republik gegründet. Mit dem neuen Staat wurde auch eine neue Währung eingeführt. Dies alles erforderte Neuregelung auch im Bereich der Oberlausitzer Synodaldiakonie. Es entstand als erstes eine Vereinbarung der Synodaldiakonie mit dem Kaiserswerther Verband, diese besagte:

 

"Mit dem heutigen Tage ist die Geschäftsstelle des Kaiserswerther Verbandes berechtigt, über das bisherige Konto der OL SD bei dem Verband zu verfügen und Geldspenden anzunehmen, die auf diesem Konto für die SD eingehen. Die Geschäftsstelle übernimmt auch alle finanziellen Verpflichtungen, die sich für die OL SD außerhalb der DDR ergeben sollten..."

 

Die Synodaldiakonie war zwar erhalten geblieben, wenn auch nur mit einem einzigen Mutterhaus in der evangelischen Kirche Schlesiens. Dennoch befürchtete manche Diakonisse, dass auch dieses Mutterhaus keinen Bestand haben würde oder zumindest nicht mehr in der Lage sein würde, den Pflichten einer Feierabendschwester gegenüber nachzukommen. Diese Sorge war Grund für so manchen Antrag auch Wechsel der Zugehörigkeit zu einem anderen Mutterhaus, das auf dem Gebiet der Bundesrepublik lag.

 

Die Situation, die die Abspaltung der westlichen Lausitz vom Kirchengebiet Schlesien nach sich zog, erforderte nicht nur im diakonischen, sondern vor allem im kirchengeschichtlichen Bereich viel Augenmaß. Es gehört zu den Verdiensten des Vorstehers der Oberlausitzer Synodaldiakonie, Pfarrer Lic. Kunze, sich bei der Neukonstituierung der evangelischen Kirch in Schlesien eingesetzt zu haben. Er hat entscheidendes für den Zusammenhalt der Gemeinden des heutigen Görlitzer Kirchengebietes getan.

 

Denn so stellte sich die Situation nach Ende des Krieges dar:

Bischof Ernst Hornig ließ 1945 unter den Bedrängnissen russischer und polnischer Siegerwillkür, unter Hunger, Rechtlosigkeit und Vertreibung der deutschen Bevölkerung noch einmal eine evangelische Kirche Schlesiens mit Kirchenleitung in Breslau entstehen.
Aber bereits ein Jahr später fand die Duldung der deutschen evangelischen Kirchenleitung im polnisch gewordenen Schlesien durch Ausweisung ein Ende. Die heimatlos gewordenen Breslauer Kirchenleitung war bestrebt, nun das westlich der Neiße gelegene schlesische Gebiet unter ihrer Leitung zu verselbstständigen.

 

Die Interessen der evangelischen Kirche von Schlesien im verbliebenen Teil der Kirchenprovinz westlich der Neiße, durch die Beschlüsse der Siegermächte auch im kirchlichen Bereich abgeschnitten, werden in dieser Zeit weitestgehend durch den Vorsteher der Oberlausitzer Synodaldiakonie vertreten.

 

Die Fürsorge für die 5 Oberlausitzer Bezirke hatte treuhänderisch die Kirchenleitung von Berlin-Brandenburg übernommen. Auf einer Synode 1947, bei der Lic. Kunze Stellvertreter des Präses war, wurde die Treuhandschaft beendet und das Kirchengebiet der Oberlausitz wieder der schlesischen Kirchenleitung unterstellt.

 

Pfarrer Lic. Wilhelm Kunze, der mit viel Mut und Hoffnung die Arbeitsfelder der Diakonie in dieser neuen Zeit unter neuen teils ebenfalls schwierigen Bedingungen , organisieren und gestalten musste, durfte zuerst einmal zahlreiche Glückwünsche zum  50. Jahresfest des Mutterhauses Salem entgegennehmen.

 

Im Jahre 1954 übernahm Diakonisse Emma Hanke die Leitung der vordiakonischen Kurse für Schülerinnen, die nach der 8. Klasse die Schule verließen. Diese Kurse sollten als Vorbereitung auf eine Ausbildung zum Dienst im Auftrag der Kirche dienen.

 

In den folgenden 10 Jahren beklagte das Diakoniewerk zunehmend trotz ständiger Bemühung bei der Heranbildung des Nachwuchses einen wachsenden Mangel an Diakonissen. Pfarrer Lic. Kunze 1958 dazu:

 

"Wenn es so weitergeht, geht es nicht mehr weiter."
Wenig Nachwuchs und kein Ersatz für alt gewordene Schwestern bedingte die Auflösung von den Gemeindepflegestationen. Junge Mädchen absolvierten eine Ausbildung als Verbandsschwester oder Helferin im Säuglingsheim mit anschließende Fachausbildung, aber mit dem Lebensbild einer Diakonisse konnten sich die jungen Mädchen nicht identifizieren.

 

Die Entbindungsstation wurde auf Grund der ausreichenden Räumlichkeiten der Entbindungsstation des Bezirkskrankenhauses nicht mehr benötigt. Auf Wunsch der Görlitzer Ärzte wurden die freigewordenen Räume zu einer Fachklinik für HNO-Erkrankungen mit 30 Betten umgebaut.

 

Im Frühjahr 1968 übernahm Dr. Schönfeld eine HNO-Abteilung im Caroluskrankenhaus. In die Räume in Salem wurde eine Abteilung für neurologische Fälle, ab 1974 betreut von Chefarzt Dr. Lauschke, und eine für HNO-Erkrankungen verbliebene, betreut von Chefarzt Obermedizinalrat Dr. Habedank, eingerichtet.

 

Derzeit gehörte Oberin Ingeborg Streetz zur Leitung des Hauses, die 1962 von Bischof Hornig in das Amt eingeführt worden war.

 

1969 wird Pfarrer Christoph Weidauer von Bischof Fränkel in das Amt des Vorstehers von "Salem" eingeführt.


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