Die Oberlausitzer Synodaldiakonie in den Jahren 1949 - 1989 (2)

Von den 43 Gemeindestationen waren 1970 noch 4 Stationen erhalten geblieben (Hohenbocka, Niesky, Ludwigsdorf, Kunnerwitz).

 

Diakonisse Emma Kopatschek besetzte die Gemeindestation in Kunnerwitz noch bis ins Jahr 1977.

 

Die meisten Stationen mussten aufgegeben werden, da durch den ausbleibenden Nachwuchs diese nicht neu besetzt werden konnten.
Die Gemeindeschwestern, Kernpunkt des Gedankens "Synodaldiakonie", waren auf den Dörfern neben dem Pfarrer wichtigster Faktor bei der Gestaltung des kirchlichen Lebens. Die Diakonissen hatten dort vielfältigste Aufgaben. Sie waren die Gehilfinnen des Pfarrers beim Aufbau und der Gestaltung des Gemeindelebens, führten Besuchsdienste durch oder übernahmen die Leitung von Mädchen- und Frauenkreisen. Schwester Winifred Palm war beispielsweise auch als Katechetin tätig.

 

Wie bereits Pfarrer Lic. Kunze, so musste sich auch Pfarrer Weidauer mit der politischen Entwicklung in der DDR auseinandersetzen. Dieser Prozess gestaltete sich anders als im Nationalsozialismus, aber deswegen nicht einfacher. Im Unterschied zum Dritten Reich gelang es der DDR nicht, die Kirche in die Staatspolitik zu integrieren. Von Ausnahmen abgesehen, stand die Kirche dem Staat geschlossen gegenüber. Die Menschen im Land waren auch in dieser Zeit darauf angewiesen, dass die Kirche ihr Wächteramt bewusst wahrnahm.
In unzähligen Gesprächen musste von deren Mitarbeitern immer wieder ein Weg gesucht werden, wie diakonische Arbeit ausgeführt werden konnte und wie Christen in der DDR überhaupt ihr Leben gestalten konnten, ohne Gott zu verleugnen.

 

Pfarrer Weidauer vertrat unbeirrt die Auffassung, dass in einer mehrfach geteilten Welt ein Mensch das Recht haben muss, dort zu leben, wo er will. Dieser Aufmerksamkeit durch die Mitarbeiter des MfS konnte er sich aber auch auf Grund der praktizierten christlichen Ausbildung der Schwestern, die er alternativ zur staatlichen Ausbildung anbot, gewiss sein.

 

Dem strategischen Ziel des Staates, kirchliche Einrichtungen zu unterwandern und in ihrer Wirksamkeit und ihrem Einfluss zu schwächen, stellte er seine ganze Kraft entgegen. In einem Osterbrief schrieb er an die Schwestern, die Mitarbeiter und Freunde des Hauses "Salem":

 

Wer bin ich?

Ich lebe in einer Gesellschaft, die hin- und hergerissen ist zwischen Erwartung und Enttäuschung, Tapferkeit und Resignation, Forderungen und Überforderungen. Ich will mich mit meiner Kraft des Herausforderungen stellen und spüre doch, dass ich selber nur vergängliches zustande bringe. Ich brauche mehr Kraft, als ich habe. Wo soll ich sie herbekommen.?...

...unter der Botschaft von Karfreitag und Ostern begreife ich die Zusage:

"Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig."


Im Laufe der folgenden Jahre wurden die Aufgaben in den Bereichen Küche, Altersheim, Krippe und Klinik auf Grund des Mangels an Nachwuchs von diakonischen Schwestern und freien Mitarbeitern übernommen.
Im Unterschied zu den Diakonissen waren die meisten diakonischen Schwestern in Familien eingebunden. Das Diakoniewerk entwickelte sich so vom Diakonissenmutterhaus zu einer Art "Familiendiakonie". Es wurde ein Werk, dessen Mitarbeiter überwiegend verheiratet waren.

 

Es brachte eine Verjüngung der Mitarbeiterschaft mit sich. Gleichzeitig aber neue arbeitsrechtliche Verhältnisse. Im Unterschied zur Diakonisse übernahm das Mutterhaus bei einer diakonischen Schwester keine Verantwortung mehr für die Wohnung, Kleidung, Beköstigung und Rente. Aus diesem Grund mussten sie, wie auch die anderen freien Mitarbeiter entlohnt werden.

 

Mit fortschreitender Zeit wurde die Gestaltung der geistlichen Gemeinschaft und des schwesternschaftlichen Zusammenlebens von der diakonischen Schwesternschaft übernommen.

 

Die Ausbildung junger Mädchen zur diakonischen Schwester begann 1966. Die Schülerinnen erhielten nach Abgang der 10. Klasse die Möglichkeit eine solche Ausbildung aufzunehmen. Die Leitung der Ausbildung übernahm noch immer die Diakonisse Emma Hanke.

 

1971 richtete die Synodaldiakonie auf Initiative von Pfarrer Weidauer und Diakonisse Hildegard Heine eine Tagesstätte für hirngeschädigte Kinder parallel zur bereits vorhandenen Wochenkrippe für gesunde Kinder ein.

 

Pfarrer Weidauer schrieb seine Hoffnungen und Wünsche für "Salem" 1990 in folgendem Brief nieder:

Wir sind Erben, Erben einer immer klein gewesenen Schwesternschaft im schlesischen Teil der Oberlausitz. In aller Schwachheit hat sie gedient in Kirchgemeinden, in Anstalten und kleinen Landkrankenhäusern unserer Heimat. Sie haben in aller Stille Segensspuren hinterlassen. Die Dinge des Reiches Gottes sind nicht laut, aber sie dienen dem Leben.
Wir sind Erben. Wieder sind wir klein, wieder sind wir schwach. Aber wir haben den gleichen Herrn und den gleichen Auftrag...
Wie versuchen wir, dem Erbe gerecht zu werden? Wir sind eine ganz gemischte Schar aus verschiedenen Kirchen. Wir beten miteinander und füreinander, auch hier wieder eine kleine Schar. Wir wissen uns vom Gebet und vom Gottesdienst unserer Alten getragen. Wir setzen der Not viel Treue entgegen. So hoffen wir auf den Herrn, dass er unseren Dienst auch ferner hin will. Wir haben nichts besonderes zu bieten, aber wir haben einen Herrn, der unserer Schwachheit diese Erbe anvertraut hat. So hoffen wir auf seinen Segen. ...

 

 

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