Die Synodaldiakonie in der Kriegs- und Nachkriegszeit (1)

Sehnsucht nach Frieden
Seliger Friede, den die Welt mir nicht kann geben,
Den ich doch so nötig hab zum Leben,
ohne den mein Herz nur trüb und matt
Stets sich fühlet und des Lebens satt,
ohne den mich keine Sonn erquicket,
ohne den mich nichts so recht beglücket,
Der allein mir kann das Herze stärken
Und mich fähig macht zu Liebeswerken,
Himmelsfrieden, süßer Himmelsschein,
Strahle, leuchte in mein Herz hinein.


abgedruckt im "Kunnerwitzer Kirchenblatt" 1910

 

Die Wirren aller Zeiten, nicht nur die des 2. Weltkrieges, erzwingen eine Beständigkeit des Glaubens. Diese Beständigkeit schafft Frieden und macht fähig zu den so dringend notwendigen Liebeswerken. Sie bildet ein unverwechselbares Profil aus und hilft, in den Nöten der sehr wechselvollen Geschichte und ihrer Zielrichtungen zu bestehen. Aus dem Glauben bezogen in besonderem Maße alle, die in "Salem" lebten uns arbeiteten ihre Kraft und die Beständigkeit ihres Handeln in der Zeit während des Krieges und nach dem Krieg. Briefe und Berichte aus dieser Zeit weisen es eindeutig nach.

 

Diakonisse Gertrud Brendel war die 2. Oberin in "Salem". Nachdem im Jahre 1936 Oberin Johanna Schulte den wohlverdienten Ruhestand angetreten hatte, war es sehr schwer, eine geeignete Nachfolgerin zu finden.
Die Leiterin einer Schwesternschaft muss Mutter und Führerin zugleich sein, außerdem auch organisatorische Fähigkeiten besitzen und sparsam und überschauend zu wirtschaften wissen.
In der eigenen Schwesternschaft war eine geeignete Persönlichkeit nicht zu finden. Etwa 3 Jahre wurde das Mutterhaus kommissarisch von den Schwestern Hermine Scheefe und Käte Österreich geleitet. Beide Schwestern erklärten, dass ihre Kräfte für dieses schwere Amt nicht ausreichen.
Mit Diakonisse Gertrud Brendel wurde im Jahre 1940 eine Oberin gefunden, die die Schwesternschaft zielbewusst durch die schwerste Zeit des Krieges und die Nachfolgezeit führte.

 

Zu gleicher Zeit errichtete die Oberlausitzer Synodaldiakonie eine eigene Pfarrstelle im Diakonissenmutterhaus Salem. Besetzt wurde diese mit Pfarrer Lic. Wilhelm Kunze. Er war der erste Vorsteher, der hauptamtlich im Mutterhaus tätig war. Die Arbeit der Schwesternschaft hatte einen Umfang angenommen, der es unmöglich machte, das Amt des Vorstehers mit dem Pfarramt der Kirchgemeinde Kunnerwitz zu verbinden.

 

Im Juni 1941 beantragte Lic. Kunze im Auftrag der Schlesischen Synodaldiakonie die Aufnahme aller 5 Bezirke in den Kaiserswerther Verband. Die Arbeitweise der Synodaldiakonie und die der Mutterhäuser des "Kaiserswerther Verbandes" unterschied sich kaum. Da dieser Verband sich nach 1940 auch offiziell zur evangelischen Kirche bekannte, war die Aufnahme in denselben nicht nur möglich, sondern auch erstrebenswert. Bis zu diesem Zeitpunkt gehörten die diakonischen Einrichtungen Schlesiens dem "Zehlendorfer Verband" an. Die Leitung dieses Verbandes verstand und billigte den Wechsel der Schlesischen Synodaldiakonie zum Kaiserswerther Verband.

 

Mit dem 2. Weltkrieg und seinen Folgen begann die wohl allerschwierigste Zeit für sämtliche Einrichtungen der Schlesischen Synodaldiakonie und für ihre Schwesternschaften.
Während des Krieges mussten die Schwestern im Heer Dienst tun. Alle Not des Lebens bekamen sie deutlich zu sehen. Ihre Aufgabe, zu helfen und diese Not zu lindern, überforderte oftmals ihre Kräfte.

 

Im Februar des Jahres 1945 war in Görlitz die Evakuierung des Alters- und Säuglingsheimes angeordnet worden. 64 Säuglinge, Wöchnerinnen und Schwestern samt Inventar, Nahrung und Medikamenten mussten vor den Fliegerbomben und der drohenden russischen Besatzungsmacht in Sicherheit gebracht werden. Unter den Fliehenden war auch die Frau von Pfarrer Lic. Kunze. In einem überfüllten Lazarettzug zusammen mit vielen Schwerverletzten und unter schwierigsten hygienischen Bedingungen ging die Fahrt 7 lange Tage bis nach Landshut in Bayern. Dort waren bereits aus anderen Orten von östlich der Neiße Kinder- und Säuglinsheime untergebracht. Auch dort in Landshut mussten die Schwestern der Synodaldiakonie mit ihren Pfleglingen 18 schwierige Monate durchleben. In dem absolut katholisch geprägten Land waren sie wahrhaft nur geduldet, wurden von einem Heim ins andere geschoben, bekamen wenig Verpflegung zugeteilt und wurden anderen Flüchtlingen gegenüber stets benachteiligt.
Am Ende aber, im Juli 1946, durften sie heimkehren. Vielen anderen dort, die von östlich der Neiße oder aus dem Sudetenland kamen, war dies nicht vergönnt.

 

Diakonisse Margarete Lutz erlebte die Zeit in Landshut gemeinsam mit den Schwestern Dorothee Schneider und Lotte Weilandt.


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